Freitag, 28. September 2007

Ich wurde gehört^^

Gestern war es nun so weit: ich hatte meine Anhörung beim Amtsgericht. Natürlich war ich tierisch nervös, wofür es aber eigentlich keinen Grund gab.
Nachdem ich etwa zehn Minuten gewartet habe, holte mich der zuständige Amtsgerichtspräsident ab und entschuldigte sich gleich im Voraus, dass er innerhalb des Verfahrens leider die volle männliche Anrede benutzen muss.
Er fing nun ganz formell an meine Personalien zu kontrollieren, und lies eine Kopie von meiner Geburtsurkunde machen. Das wurde alles von einer Sekretärin mitprotokolliert. Dann stellte er mir halt die Frage, wann ich bemerkt habe was mit mir los, wann die Gefühle aufgetreten sind, als Frau leben zu wollen (Es geht im wesentlichen darum, dass ich seit mehr als drei Jahren und dem Zwang stehe, im anderen Geschlecht zu leben). Er hat noch gefragt, seit wann ich offen als Frau lebe; einen Kommentar zu meinem Erscheinungsbild gemacht (ich war immerhin etwas besser gekleidet als die Sekretärin) und nach meinen Freizeitverhalten gefragt (wusste allerdings selbst nicht so richtig, was er eigentlich genau wissen wollte). Dass war es dann auch schon mit der Befragung, die keine zwanzig Minuten dauerte.
Mir wurde dann das weitere Prozedere nochmal erklärt, dass meine Akte jetzt als Formalität zur Staatsanwaltschaft geht und die Gutachter beauftragt werden - er versprach mir die beidem von mir genannten zu beauftragen, und nicht die, die sonst von diesem Gericht beauftragt würden. Dabei wäre dann auch dr. Seikowski, bei dem ich ja schon das Gutachten für die Hormonindikation bekommen habe, was dann nur noch vervollständigt werden müsste. So habe ich die Hoffnung, dass die ganze Vornamensgeschichte nicht ganz so lange dauert, wie befürchtet.

IMG00835m


Übrigens habe ich heute auch den Befund von der Genetik bekommen, und das Ergebnis ist wie erwartet ein normal männlicher Karyotyp 46 XY, ich bin also definitiv nicht intersexuell.


Es grüßt euch lieb,
Kalyope

Samstag, 15. September 2007

Und das Amtsgericht meldet sich doch...

Ich war gerade dabei einen Brief für das Amtsgericht aufzusetzen, um Nachzufragen, was nun aus meiner Vornamensänderung wird, da bin ich einfach mal auf die dumme Idee gekommen in meinem Briefkasten zu schauen, und wie gerufen lag ein Brief vom Amtsgericht darin. :)

"Hiermit werden Sie , .... ...., zur Anhörung
am Donnerstag, den 27.09.2007, um 15:00,
beim Amtsgericht Chemnitz,
geladen"


dann war darin noch ein Schreiben, dass mir "Prozesskostenhilfe ohne Ratenzahlung" bewilligt wird. :)

So, dann kann es also endlich losgehen, mit dem ganzen rechtlichen Kram. Ich bin mal echt gespannt auf die Anhörung (auch wenn sich noch immer die Frage stellt, was ich da anziehe^^)

*knuddel euch alle*
Kalyope

Dienstag, 11. September 2007

Doch zuviel Hormone...

Heute hatte ich einen Termin bei meinem Gynäkologen. Entgegen dem was man mir am Telefon mitteilte, waren bei meinem letzten Bluttest die Werte doch nicht in Ordnung.
Der Östrogen-Wert wäre deutlich zu hoch; der Arzt vermutete gleich, ich würde überdosieren. Da das nicht stimmt, würde ich außergewöhnlich viel Estradiol aufnehmen, von dem Gel, was ich mir auf die Haut auftrage; was ja an sich nicht schlimm wäre.
Allerdings ist ebenfalls mein Prolactin-Wert zu hoch. Nicht nur, dass ich gerade nicht so scharf darauf bin Milch zu geben, besteht da immer noch die Gefahr, dass sich eine bestimmte Stelle an meiner Hypophyse vergrößert und zu einem gutartigen Prolactin-produzierendem Tumor wird.
So ist es wohl besser, wenn ich erstmal wieder herunter gehe, um eine Dosis auf 1,0mg Estradiol. Mal sehen wie es mir damit dann gehen wird.

Das die Werte zu hoch sind, hätte ich schon vermuten können, weil die Veränderungen an meinem Körper ja wirklich ziemlich stark sind. (Und auch die Müdigkeit in der letzten Zeit, und mein "rattiges" Verhalten könnte darauf hindeuten) Inzwischen merke ich ja sogar schon, dass sich bei meinen Haaren etwas ändert: In den Geheimratsecken wächst jetzt wieder einiges an Haaren und vor meiner alten Haarlinie sind schon wieder einige hellblonde Haare gewachsen. Selbst bei meinem Wimpern habe ich jetzt die ersten Veränderungen entdeckt: Schon immer hatte ich über dem rechten Auge schwarze Wimpern, und über dem linken blonde; die schwarzen werden jetzt etwas heller und zwischen den blonden wachsen jetzt einige dunkle Wimpern nach. Es scheint sich also irgendwie wieder in eine bestimmte Balance zu rücken. Auch generell habe ich das Gefühl, dass viele Bereiche wieder in ein Gleichgewicht kommen.

Liebe Grüße,
Kalyope

Donnerstag, 6. September 2007

Neue Selbsthilfegruppe in Chemnitz

In Chemnitz gibt es endlich wieder eine Selbsthilfgruppe.
Das Angebot richtet sich an alle Menschen mit geschlechtlichen Identitätsproblemen.

Vorerst ist geplant, uns jeden ersten Donnerstag im Monat zwischen 18:00 und 20:00 zum offenen Treff in den Räumen der Aids-Hilfe-Chemnitz zu treffen.
( Karl-Liebknecht-Straße 17b, 09111 Chemnitz)

Für weitere Fragen könnte ihr euch an ts_shg.chemnitz@yahoo.de wenden

Liebe Grüße,
kalyope

Sonntag, 2. September 2007

Kleines 12-Wochen-Zwischenergebnis

Nachdem ich nun über 12 Wochen lang in Hormontherapie bin, und ich von meinem Gynäkologen erfahren habe, dass meine Blutwerte nun im weiblichen Normalbereich liegen, ist es doch mal an der Zeit ein kleines Zwischenfazit zu ziehen.

Allgemein muss ich sagen, dass mir die Hormone echt super bekommen - ich fühle mich damit wohl, und ich habe keine wirklichen Nebenwirkungen. Aber um nicht zu allgemein werden zu müssen habe mich jede Woche gemessen, und gebe hier mal einige Werte mit an, an denen man die Veränderungen gut sehen kann.

Ich habe deutlich an Muskeln verloren, dass sieht man besonders gut an den Oberarmen (Umfang von 28 auf 27cm) und an den Beinen (Oberschenkel von 56,5 auf 54cm und Wadenumfang von 38 (auf 36,5cm).
Am Po hat sich auch etwas getan, allerdings gibt es da keine messbaren Änderungen, dafür aber auf der Höhe der Hüftknochen (von 89,5 auf 91cm).
Das was ich an der Hüfte dazubekommen habe ist an der Taille weniger geworden (von 78 auf 76cm). Mein Gewicht ist dabei leicht (um 2,5kg) gesunken.
Die deutlichste Veränderung ist natürlich an der Brust passiert, die ist deutlich gewachsen ( Brustumfang von 94 auf 97 cm)
Ich kann also wirklich nicht behaupten, dass sich nichts getan hätte - die Östrogene schlagen gut an, und da wird auch noch viel mehr passieren.

Sehr gut sieht man es auch im Gesicht, die Züge sind halt viel weicher und weiblicher geworden. Ganz besonders überrascht hat mich, wie sehr meine Nase schmaler geworden ist; das hatte ich nicht erwartet.

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Und dann noch die kleinen Änderungen. Meine Haut ist etwas weicher geworden und deutlicher reiner im Gesicht. Die Haare und Nägel wachsen wesentlich schneller als früher. Mir ist viel häufiger kalt. Das Wachstum der Haare auf meinem Körper hat sich leicht verringert.

Von den Emotionen her bin ich schon ziemlich pubertär geworden. Etwas zickiger, verträumter und habe ich ein gesteigertes Bedürfnis nach Nähe und Liebe.

So, das war es erstmal von mir,

liebe Grüße,
Kalyope

Donnerstag, 16. August 2007

Vornamensänderungsbürokratie

Nachdem ja nun kein Weg daran ging bei der AOK meinen Namen zu wechseln vor der offiziellen Vornamensänderung, und da diese ja nun auch wieder lange dauern wird, habe ich mich letzte Woche daran gesetzt und einen Antrag nach §1 TSG gestellt.

Das ganze war auch wieder mit Rennerei verbunden: Wo habe ich eigentlich meine Geburtsurkunde? Warum muss ich 6,10€ für einen einfachen Zettel ausgeben auf dem steht wo ich wohne (Meldebescheinigung)? Und habe dann gleich mit den Antrag auf Prozesskostenhilfe gestellt, wofür ich die ganzen Belege über meine "Wirtschaftliche Situation" raussuchen und kopieren musste.

Diese Woche bekam ich dann schon eine Antwort: Sie bräuchten doch mindestens noch die Geburtsurkunde und den Personalausweis als beglaubigte Kopie (dass hätte ich mir vielleicht ja auch denken können). Dann schrieb man mir auch noch wie das weitere Prozedere verläuft:

[...] wird ein Anhörungstermin beim Amtsgericht durchgeführt, in dem Sie sich dazu erklären müssen, dass Sie aufgrund der transsexuellen Prägung nicht mehr dem in ihrem Geburtseintrag angegebenen, sondern einem anderen Geschlecht sich als zugehörig fühlen und seit mindestens 3 Jahren unter dem Zwang stehen, Ihrem Vorstellungen entsprechend zu leben; zudem müssen Sie dartun, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass sich Ihr Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht nicht mehr ändern werde. Danach wird die Akte der Staatsanwaltschaft zur Stellungnahme vorgelegt und nach dem Rücklauf werden zwei unabhängige fachlich besonders erfahrene Sachverständige bestimmt werden, die unabhängig voneinander Ihre Angaben zur Transsexualität begutachten werden. Nach Vorliegen der beiden Gutachten werden diese Ihnen bekannt gegeben und nach ihrer Stellungnahme hierzu und nach nochmaliger Anhörung der Staatsanwaltschaft über ihren Antrag entschieden werden
(Grammatik, Ausdruck und Logik wie im Original, aber nicht beglaubigt^^)

Ich verspüre nicht die geringste Lust, irgendwelchen Juristen, viel über mich zu erzählen, die von der ganzen Sache sowieso keine Ahnung haben, vor allem wenn da sowieso die Gutachter dafür zuständig sind. Und was soll ich eigentlich zu diesem Anhörungstermin anziehen? ;)
Genauso langatmig wie das Prozedere beschrieben ist, so lange wird sich das ganze wohl auch hinziehen. Also ob die Staatsanwaltschaft, das Gericht und ich nicht was anderes zu tun hätten.



Ansonsten geht es mir gerade wirklich nicht schlecht.
Ich bin ja jetzt genau 10 Wochen in Hormontherapie, und muss sagen, dass es mir damit richtig gut geht. In meinen Armen und Beinen hat es eine ganze Menge an Muskeln abgebaut; dass Gesicht hat sich noch ganz schön verändert; und das Brustwachstum ist schon ziemlich gut - übersehen kann man dass mittlerweile überhaupt nicht mehr :)

IMG00605

Die Logopädie läuft auch recht gut voran - ich habe aber nur leider das Problem, dass ich das gelernte im Alltag irgendwie nicht ganz so richtig umsetzen kann.

Ab nächste Woche habe ich dann auch eine neue Psychotherapeutin, mal sehen wie die so ist.

So das wäre es dann erstmal von mir..
*knuddel* und liebe Grüße
Kalyope

Dienstag, 31. Juli 2007

Kleines Update

So, nachdem ich eine Weile nicht mehr geschrieben habe, wäre es doch mal an der Zeit ein kleines Update zu machen.

Die letzten Wochen haben mich sehr verändert. Es ist schon Wahnsinn, was so eine kleine Dosis Estradiol ausmachen kann.
Man kann fast dabei zusehen, wie ich mich verändere.
Einige Leute haben mir in den letzten Woche gesagt, dass mein Gesicht irgendwie viel schmaler geworden wäre, und die Züge deutlich weicher als vorher. Schon bei einem Vergleich mit einem zwei Wochen altem Bild kann man das gut sehen.
Und bei der Brust tut sich auch eine ganze Menge, fast 1cm mehr Brustumfang in drei Wochen :) Noch immer kann ich es nicht ganz glauben, dass mein Körper sich nun in die richtige Richtung entwickeln wird.

Hier nicht ganz aktuell von Anfang letzter Woche:
moi-

Stark vorangekommen bin ich auch mit meiner Stimme. Wenn ich auch noch nicht viele Logopädie-Sitzungen hatte, so hat das doch schon viel gebracht. Ich spreche ein klein wenig höher, und vor allem langsamer, deutlicher und betonter. Es ist alles auch viel lockerer geworden, und ich habe wesentlich weniger Hemmungen mehr meine Stimme zu benutzen. Eine andere Stimmtherapeutin fand schon recht gut, was ich erreicht habe - sie konnte es nicht mehr glauben, dass ich früher mal ein Bass war ;) Meinen Stimmlippen geht es dabei auch recht gut, wie meine HNO-Ärztin hier erkennen konnte:
Stimmlippen2

Ich habe also schon das Gefühl jetzt alles was meine TS betrifft in der richtigen Spur ist, auch wenn es halt noch eine ganze Menge Zeit benötigen wird. Ich denke ich lebe mich da hinein.


Das ganze rechtliche - bürokratische - finanzielle nervt dann halt doch erstmal ziemlich. Die Kostenübernahme für die Bart-Epi ist wieder mit einiger Rennerei verbunden und wird dauern.

Heute hatte ich meinen ersten Termin bei einem neuen Psychologen, erst hat der nur meinen Namen in der Akte gesehen bevor er mich gesehen hat, und mich deswegen gleich mit "Herr.." angeredet :( Dass hat mich wieder so geärgert, dass ich hinterher dann gleich mal bei meiner Krankenkasse (der AOK Sachsen) war, um zu fragen wegen der Namensänderung. So richtig wusste die Sachbearbeiterin auch nicht Bescheid, und hat deswegen erstmal ein paar Kolleginnen gefragt, und kam mit der Antwort zurück, dass sie das nicht ändern könne, und dafür erst die offizielle Vornamensänderung brauchen würde. :( Wieder geht es halt nur um irgendwelche doofen interne Regelungen, und nicht darum, dass ich nun weiterhin jedes Mal komisch angeschaut werde, wenn ich meine Karte irgendwo benutzen muss. Ah das nervt. :(
Nun gut, dann werde ich also jetzt schleunigst die VÄ beantragen.


Liebe Grüße,
Kalyope

Donnerstag, 5. Juli 2007

Schon vier Wochen herum...

Heute sind es nun genau 4 Wochen, dass ich mit der Hormontherapie begonnen habe - die beste Zeit um ein kleines Zwischenfazit zu ziehen.

Was kann man also erwarten, wenn man 28 Tage lang täglich 25mg Androcur schluckt und sich 0,5mg Estradiol über die Haut zuführt?

Also zu allererst zeigt sich die Wirkung vom Androcur. Spätestens im Laufe der zweiten Woche war kaum noch etwas vom sexuellen Trieb vorhanden, der vorher nicht gerade vernachlässigbar war, die dazugehörige Fehlbildung hat schnell an Bedeutung und Eigenleben verloren.^^

Schnell gemerkt habe ich auch, dass die Körperbehaarung nicht mehr ganz so schnell nachwächst, aber leider noch viel zu stark. Die Kopfhaare wachsen anscheinend auch etwas schneller als früher, was ich aber nicht mit Sicherheit bestätigen kann. Deutlich schneller wachsen aber auch meine Fingernägel.

An meinen Proportionen hat sich noch nicht viel verändert - ich habe etwa einen cm an der Taille verloren, was aber auch allgemein an einer leichten Gewichtsabnahme liegen könnte. Ein klein wenig schmaler sind auch meine Waden geworden, aber mehr konnte ich nicht feststellen. Meine Brust ist empfindlicher geworden, und greift sich an ein paar Stellen leicht verändert an, aber von Wachstum ist da noch keine Spur zu sehen. Da liegt die Estradioldosis halt noch deutlich zu niedrig.
An meiner Haut hat sich jetzt auch noch nichts weiter getan, abgesehen davon, dass ich weniger Mitesser auf der Nase habe^^

Schon in der ersten Woche gab es ja eine Änderung bzw. Verbesserung meines Körpergeruchs, was mich sehr gefreut hat - im Laufe der Zeit ist dann aber auch mein Geruchssinn besser geworden, so dass seither viel stärker auf unangenehme Gerüche reagiere. Ich denke auch, dass sich mein Geschmackssinn verbessert hat, was ich zum Beispiel am Geschmack von Johannisbeeren gemerkt habe, die mir noch nie so extrem gut geschmeckt haben, wie seit einiger Zeit. Und dass sich mein Schmerzempfinden verändert hat, das konnte ich ja "gut" beim lasern spüren.

Die Kopfschmerzen die ich am Anfang öfter hatte, sind schnell wieder verschwunden; ich denke, dass hatte was damit zu tun, dass sich mein Körper an die veränderten Hormone angepasst hat und ich rechne damit, dass es auch wieder welche geben wird, wenn ich ab morgen die Estradiol-Dosis erhöhe.

Aufgefallen ist mir, dass ich schon irgendwie ruhiger geworden bin, irgendwie auch geduldiger gegenüber einigen Dingen, bei denen mich das warten manchmal ziemlich fertig gemacht hat. Allerdings habe ich auch das Gefühl, als wäre ich manchmal etwas unsicherer.


Um es mal ganz allgemein zu sagen, der letzte Monat hat mir echt gut getan. Bis auf eine kleine Depri-phase am letzten Wochenende war ich psychisch recht stabil. Mir geht es gut.. und ich freue mich darauf, dass es künftig noch besser werden wird.


*knuddel*
Kalyope

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