Dienstag, 5. Juni 2007

Das komische Zwischendrin-Gefühl und die Angst vor der eigenen Courage

So, am Freitag soll es nun losgehen mit den Hormonen. Auch wenn ich schon so lang darauf warte, bekomme ich dennoch ein seltsames Gefühl, je näher nun alles heranrückt. Ich werde sichtlich nervöser, und denke genauer darüber nach. Es ist auch nicht so, dass ich jetzt meine Transsexualität in Frage stellen würde, oder den Termin verschieben wöllte, aber es ist wohl klar, dass man an solch einen gravierenden Schritt ein wenig mehr Gedanken verschwendet.

Es ist ja alles auch nicht Ohne. So eine Hormonumstellung belastet den Körper schließlich enorm, ich werde mein ganzes restliches Leben auf Medikamente angewiesen sein; werde ein höheres Thrombose-Risiko haben und meine Leber belasten; und bin in spätestens einem halben Jahr dauerhaft unfruchtbar. Das sollte man natürlich auch alles mit bedenken. Zusätzlich zu den Erwägungen, ob es überhaupt lebbar ist. (Was ich für mich ja schon lange deutlich mit Ja beantwortet habe). So bleibt nun nur noch übrig, dass dieses Gefühl die Angst einer Mutlosen vor der eigenen Courage ist. Aber ich bin ja sowieso eher eine sehr ängstliche Person, da ist es kein Wunder, dass ich häufiger Mal ein Angstgefühl habe vor Schritten, die anstehen.
Wie auch immer, daran hindern diesen Schritt zu gehen wird mich dieses Gefühl nicht.

Das andere, was ich seit einiger Zeit wahrnehme, ist so ein gewisses Zwischendrin-Gefühl. Lange Zeit war so war, dass ich wie zwei Seiten gelebt habe, einmal eine voll-weibliche, ordentlich geschminkt richtig feminin und mit den falschen Brüsten; und die andere Seite, so wie ein androgyn bis männlich aussehender komischer Typ. Die erste Seite kommt mir inzwischen etwas albern vor, nicht nur dass jetzt im Sommer die Silikoneinlagen ziemlich warm sind, es kommt mir auch irgendwie verkleidet vor. Die andere Seite gibt es aber auch nicht mehr wirklich. Ich hab also die beiden Seiten quasi zusammengeführt. Das Gesamtergebnis ist dann schon eher feminin, aber wirklich weiblich sieht es auch nicht aus, weder hab ich eine Brust, noch ist mein Gesicht deutlich weiblich (unter anderem zu unrein, zu kantig und zuviel Bartschatten).

Es ist halt auch einfach so, dass ich keine Lust mehr habe, mich zu verstecken oder zu verkleiden, auf die eine oder andere Weise.
Vielleicht ist das ja auch der Punkt, an dem ich endgültig aufhöre, als zwei Personen, eine noch-männliche und eine schon-weibliche, zu leben, und nur noch eine Person bin, nämlich Ich, ein Ich was sich entwickelt in eine deutliche Richtung.
Auch wenn mein Körper es noch nicht wirklich mitmacht, um völlig als Frau zu passen, wenn ich auch manchmal von mir noch nicht als Frau denken kann, ich entwickle mich weiter - in die richtige Richtung.
Die Transition hat gerade erst begonnen.

Liebe Grüße,
Kalyope

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